Birkenallee das Motiv fürs Siegerfoto

Die Ausstellung „800 Jahre Worpswede“ zeigt im Foyer des Kreishauses noch bis zum 8. Juni Impressionen aus dem Künstlerdorf und seiner nicht minder reizvollen Umgebung.  (Fotos: von Lachner)

Worpswede/Lilienthal. Es herrscht kein Mangel an glühenden Worpswede-Bewunderern, die die Schönheiten des Künstlerdorfes  geistreich und wortgewandt zu preisen pflegen. Stefan Schwenke, Bürgermeister und zugleich bekennender Werbebotschafter der Hamme-Gemeinde, reihte sich da nur zu gerne ein, als er den Besuchern zur Eröffnung des Fotowettbewerbs „800 Jahre Worpswede“ sein Grußwort entbot. Schwenke zitierte Paula Modersohn-Becker, die für die Farben des „Wunderlandes“ geschwärmt hatte: „Schönes braunes Moor, köstliches Braun! Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz.“

Noch eindringlicher als Worte vermögen natürlich Bilder die Schönheiten Worpswedes zu beschreiben. Der Landkreis Osterholz hatte anlässlich des 800. Geburtstags seiner Mitgliedskommune einen Fotowettbewerb ausgeschrieben. Und da sprachen die 60 Bilder, die es nach Selektion durch eine Jury in die Ausstellung geschafft hatten, für sich. Unter den Finalisten die bekannten Motive wie der viel fotografierte Barkenhoff, der lachende Buddha oder das zum Hoetger-Ensemble zählende „Kaffee verrückt“, aber auch weniger bekannte Fotomodelle, Reminiszenzen an die Tradition und die Geschichte des Teufelsmoores. Ein Stapel Torfstücke, Ziegel vom Niedersachsenstein und Steine aus der Umgebung des Denkmals, in denen die Namen von Verstorbenen eingeritzt sind. Eine Gruppe von Rehen, die übers verschneite Feld zieht. Die Fotos werden noch bis zum 8. Juni im Foyer des Kreishauses zu sehen sein. Einige der besten Aufnahmen zieren den aktuellen Fotokalender des Landkreises Osterholz.

Schwere Auswahl

Die Selektion aus einer Vielzahl von eingesandten Arbeiten hatte eine Jury vorgenommen, bestehend aus Anne Frechen, der Direktorin des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf und ehemals der Künstlerhäuser Worpswede, Hans Herrmann Hubert vom Ortsarchiv Worpswede und dem Fotojournalisten Hans-Peter Schaub aus Hamm. Einige Beiträge wurden zusätzlich mit Geldpreisen bedacht. Landrat Bernd Lütjen lobte die Qualität der Fotos, die durchweg von Amateuren stammen. „Das ist schon an der Grenze zum Professionellen“, stellte Lütjen anerkennend fest. Die Jury habe eine sehr schwere Auswahl zu treffen gehabt.

Den ersten Platz sicherte sich Annette Luehsen aus Lilienthal, die eine von Birken gesäumte Auffahrt zu einer Worpheimer Bauernkate fotografiert hatte. Und zwar um 8 Uhr in der Frühe. „Es war der Tag der Torfkahnarmada. Wir waren gerade mit Fahrrädern auf dem Weg zu Melchers Hütte“, erinnert sich die Friseurin, die bei solchen Gelegenheiten immer eine Lumix-Kompaktkamera einsatzbereit hält. „Ich war sofort fasziniert vom Licht- und Schattenspiel, vom frischen Grün des Grases, von den Birken und dem blauen Fachwerk.“ Annette Luehsen fotografiert schon seit ihrem zehnten Lebensjahr. Landschaftsaufnahmen sind ihr fotografisches Steckenpferd, sie liebt aber auch Porträts. „Außerdem fotografiere ich gerne Rosen und im Urlaub vor allem Menschen!“

Den zweiten Preis hat die Jury der „Torfkahnarmada“ von Rainer Junker aus Osterholz-Scharmbeck zuerkannt. Platz drei ging an den „Sonnenaufgang im Breiten Wasser“ von Matthias Kahrs aus Grasberg. Zu den weiteren Preisträgern gehört Peter von Döllen vom WESER-KURIER (Osterholzer Kreisblatt), der dem Betrachter unter dem Titel „Immer geradeaus“  einen besonderen Blick ermöglicht: aus der Kabine des Moorexpress‘ heraus auf die am Horizont gerade untergehende Sonne. Das gleißende Gold des Sonnenlichts, das mit dem wunderschönen Blau auf dem Arbeitsplatz des Schienenbusfahrers kontrastiert, hat den Hüttenbuscher zu seiner Aufnahme inspiriert.

Die windgebeugten Birken, die einsame Moorlandschaft und der weite Horizont sind Sinnbilder der Teufelsmoorlandschaft und waren auch die favorisierten Themen im Fotowettbewerb „800 Jahre Worpswede“. Laut Schwenke, der einen Schnelldurchlauf durch die Geschichte seines Heimatdorfes gewährte (die Windmühle wurde 1893 von der Familie des heutigen Bürgermeisters erworben), waren die „Besonderheiten und Schönheiten der Landschaft“ der Grund für die Entwicklung Worpswedes vom Bauerndorf zur Künstlerkolonie. Die Zeit der Künstlerkolonie begann vor 130 Jahren. Ein vergleichsweise kleiner Abschnitt, bezogen auf die ganze Dorfgeschichte, die mit acht Moor-Bauernhöfen begann, die 1218 erstmals urkundlich erwähnt wurden. Die Wettbewerb-Fotos liefern Dokumente vom neuzeitlichen Worpswede ebenso wie vom vergangenen. Zu Letzterem gehört auch die sogenannte Mackensen-Eiche am Fuße des Weyerbergs, die 2017 im Alter von 350 Jahren dem Sturmtief Xavier zum Opfer fiel. Johann Schriefer, Journalist aus Hüttenbusch, hat vielleicht eine der letzten Aufnahmen von diesem berühmten Baum gemacht. Auch dieses Foto ist Teil der Ausstellung – zu sehen noch bis zum 8. Juni.

 

Quelle: Weser Kurier // https://www.weser-kurier.de/region/wuemme-zeitung_artikel,-birkenallee-das-motiv-fuers-siegerfoto-_arid,1718646.html

Beitrag Michael Schön

Fotos: von Lachner

Posted on 11. April 2018 in Landkreis, LiLi Live eG, Lilienthal

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